Eine Vorstadt wird zur City

Die Spandauer Vorstadt ist die größte erhaltene und planmäßig angelegte Vorstadt von Berlin. Die erste amtlich beurkundete Bebauung erfolgte im Jahre 1672 mit der Anlage des jüdischen Friedhofes. Um die Brandgefahr innerhalb der bewehrten Befestigungsanlagen zu verringern, wurden zur selben Zeit per Erlass des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm alle Scheunen vor die Stadtmauern verlegt. Die in dieser Zeit für einen Teil des Gebietes entstandene Bezeichnung Scheunenviertel hat sich bis in die Gegenwart erhalten.
 
Nachdem das Berliner Stadtgebiet über einen weiten Zeitraum des 17. Jahrhunderts nicht mehr als 6.000 Einwohner zählte, entwickelte sich durch Zuwanderung und Geburten die Bewohnerzahl Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer Größe, die innerhalb der geschlossenen Befestigungsanlagen Berlins nicht mehr zu beherbergen war. In der Folge wurden Vorstädte jenseits der Wehranlagen gegründet. Bis 1713 wurde die Sophienkirche errichtet.
In der Folgezeit entstand als eines der größten dieser Vorstadtquartiere die Spandauer Vorstadt im Gebiet zwischen der nördlichen Friedrichstraße und der heutigen Karl-Liebknecht-Straße. Im Zuge der notwendig gewordenen Stadterweiterungen beauftragte Friedrich der Große im Jahre 1750 seinen Stadtkommandanten Hans Christoph Graf von Hacke, Namensgeber des Hackeschen Marktes, einige Freiflächen des halb entwickelten Viertels bebauen zu lassen. Bis 1825 war schließlich auch die Spandauer Vorstadt in das Berliner Stadtgebiet eingemeindet worden. Die teilweise erhaltenen zweistöckigen Gebäude und die Straßenführungen entlang der ehemaligen Feldwege zeugen noch heute von der ursprünglichen Bebauung. 
1781 Spandauer Vorstadt