Wende und Wiederentdeckung

1990 wurden die stark sanierungsbedürftigen Höfe von Künstlern und Kulturschaffenden entdeckt, die sich von diesem Ort auch wegen seiner romantisch-morbiden Aura und seiner Freiräume angezogen fühlten. Darunter auch die Gründer des späteren Varieté Chamäleon um den Clown und Zauberkünstler »Hacki« Harald Ginda.



Nach der Abwicklung der hier ansässigen DDR-Unternehmen standen 4.000 Quadratmeter Gewerbeflächen frei, ein idealer künstlerischer Playground. Die kulturellen Protagonisten schlossen sich in der »Gesellschaft Hackesche Höfe e.V. Verein zur Förderung urbanen Lebens« zusammen, um mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte als treuhänderischer Verwalterin der Hackeschen Höfe eine denkmalgerechte Sanierung, sozial verträgliches Wohnen und einen Mindestanteil an Kultur zu wirtschaftlich vertretbaren Mieten zu sichern. Die Idee der wirtschaftlichen Mischnutzung wurde neu interpretiert. 

Der Verein ermöglichte in dieser Zeit auch künstlerische Zwischennutzungen der leerstehenden Gewerbeflächen z. B. für für Wim Wenders Filmproduktion »Der Himmel über Berlin« und organisierte die erste gemeinsame Kunstausstellung von West- und Ostberliner Künstlern beim Kunstprojekt »Umbruch – Chaos und Hoffnung«.

1993 fiel die Restitutionsentscheidung zugunsten der Erben Jakob Michaels. Im darauffolgenden Jahr wurde das Objekt an die von den beiden Projektentwicklern Roland Ernst und Dr. Rainer K.F. Behne gegründete Hackesche Höfe GmbH & Co KG veräußert. In der Folge wurden von den neuen Eigentümern Architektur- und Projektierungswettbewerbe zur Rekonstruktion der Höfe ausgeschrieben. Das Architekturbüro Weiß & Partner gewann den Wettbewerb für die Fassadenneugestaltung an der Rosenthaler Straße, das Büro von Bohr und Sander war für die Sanierung der Ladenflächen verantwortlich, der Architekt Klaus Nuschenpickel sanierte die Wohnungen, die Marco Witte Projektsteuerung koordinierte das Baugeschehen. Nach langen Verhandlungen zwischen Investoren und Vertretern der Wohn-, Kultur- und Gewerbemieter kam es zu einem Konsens zur Erhaltung der Wohnungen und Kulturstätten bei verträglichen Mieten. Eine von der Agentur New Roses veranstaltete dreitägige Fashion-Show »extract« im Veranstaltungssaal des Varieté Chamäleon etablierte das Thema Modedesign in den Hackeschen Höfen und bündelte zahlreiche im Umfeld neu gegründete Fashion-Label. Aus diesem Event rekrutierten sich nach der Sanierung die ersten Ladenmieter der Hackeschen Höfe.



Mitte der 90er Jahre wurde das zwischen Bezirksamt, Mietern und den damiligen Eigentümern abgestimmte Konzept der Mischnutzung verabschiedet. Im Rahmen intensiver Öffentlichkeitsarbeit entstand die Marke »Die Hackeschen Höfe«. Die ursprüngliche kleinteilige Struktur – Wohnen, Kultur und kreatives Gewerbe – hatte damit eine moderne Entsprechung gefunden. Dieses Konzept wird bis heute immer wieder mit Leben gefüllt und neu interpretiert.

Die Hackeschen Höfe gehören heute einer Familie, die sich mit den Zielen der Ansiedlung von Gewerbetreibenden identifiziert: Die Geschäfte in den Hackeschen Höfen sind inhabergeführt, führen selbst kreierte Manufakturprodukte und haben einen hohen Qualitätsanspruch.