Nachkriegszeit und DDR

Nach der Enteignung der Hackeschen Höfe verlagerte die Emil-Köster AG ihren bisherigen Firmensitz in den Westen Deutschlands. Die Wohnmieter blieben und konnten glücklicherweise das Abschlagen der Jugendstil-Fassaden im ersten Hof verhindern. Es zogen neue Gewerbemieter ein. Einer der ersten neuen Gewerbemieter war der Schneidermeister und Kaufmann Walter Nehrlich, der als Kriegsheimkehrer hier mit seinem Bruder einen Konfektionsbetrieb gründete, getreu der Tradition der Höfe als Standort für dieses Gewerbe. Aus der Nehrlich KG wurde 1980 der »VEB Herrenbekleidung Berlin«, in dem zeitweise über 200 Menschen arbeiteten.





Immer mehr Gewerbeflächen dienten nun den unterschiedlichsten Zwecken: Bis in die sechziger Jahre fungierte der untere Festsaal im Quergebäude als Kino. In den Räumen der ehemaligen DEFAKA-Betriebskantine probte nun das Folkloretanzensemble der DDR. Ab 1964 nutzte das DDR-Fernsehen die Kinoräume als Probestudio für das berühmte „DDR-Fernsehballet“. Die IHK, der VEB Kühlanlagenbau und sogar eine Abteilung des Finanzministeriums nutzten ebenso Räume in den Hackeschen Höfen, wie die Kommunale Wohnungsverwaltung, die den Kleinen Festsaal im Hof 1 als Lagerraum für Baumaterial zweckentfremdete. Das ehemalige Weinrestaurant und heutige Restaurant Oxymoron diente als Trabant-Autowerkstatt. Insgesamt wurde Bausubstanz der Hackeschen Höfe stark vernachlässigt.
Bereits 1961 war die brüchig gewordene wilhelminische Stuckfassade aus »Sicherheitsgründen« entfernt worden, wie an vielen Gründerzeitfassaden im Berliner Osten. Immerhin erfolgte im September 1977 die Aufnahme des gesamten Gebäudekomplexes in die Bezirksdenkmalliste.
Mit der Zeit verschwanden die Hackeschen Höfe als Hofareal weitestgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Als im Geschäftsgebäude Sophienstraße 6 Mitte der 1980er Jahre ein Jazzklub eröffnete, war eine erste Keimzelle der späteren kulturellen Nutzung der Höfe entstanden. Der »Sophienclub« avancierte schnell zum Treffpunkt der Ostberliner Kulturszene. Doch erst mit dem Fall der Mauer und den damit verbundenen politischen Veränderungen und Spielräumen eröffneten sich neue Möglichkeiten.