Dunkle Zeiten

Bereits im Jahr 1920 waren die Hackeschen Höfe in den Besitz der Hackeschen Hof GmbH gewechselt, die 1924 von dem Jüdischen Kaufmann Jakob Michael erworben wurde. Die ebenfalls seit 1926 Jakob Michael gehörende Emil Köster AG zog 1930 in die Hackeschen Höfe. 

Oben: 1924 Jakob Michael
Links: 1933 Razzia im Scheunenviertel


Jakob Michael gliederte ihr die DEFAKA (Deutsches-Familienkaufhaus) an. Seit 1932 stand die Jakob Michael gehörende Hackesche Hof GmbH unter Zwangsverwaltung. Unmittelbar vor Hitlers Machtergreifung verließ Jakob Michael unter dem Eindruck antisemitischer Repressalien Deutschland und ließ sich als Staatsbürger Liechtensteins einbürgern. 

Nachdem bereits von Behördenseite versucht worden war, seine Eigentümergesellschaft über die Hackeschen Höfe aufzulösen, wurde Jakob Michael schließlich 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, sein Vermögen enteignet und die Hackeschen Höfe unter Zwangsverwaltung gestellt. 1939 emigrierte Michael in die USA. Die Hackeschen Höfe wurden in der Folge 1940 zwangsversteigert. 
 
Den Zuschlag erhielt die Emil-Köster AG, die bereits seit 1932 das Vorderhaus an der Rosenthaler Straße als Firmenzentrale nutzte und als Betreiber der DEFAKA bis dahin einer der Hauptmieter in den Hackeschen Höfen war. Die Aktien des Unternehmens hielt der US-Amerikaner Phelan Beale, der im Auftrag Jakob Michaels als dessen Strohmann handelte. Insofern blieb das Finanzgenie Jakob Michael mittelbar weiterhin Eigentümer der Hackeschen Höfe. 1942 wurden die Höfe allerdings als Fremdvermögen unter Kuratel gestellt.
 
Zwischenzeitlich war der obere der beiden Festsäle im Quergebäude durch das Einziehen einer Zwischendecke zweigeteilt worden, um in beiden Stockwerken als Betriebskantine der DEFAKA zu dienen. Durch diesen Umbau wurde der obere Fassadenabschluss des ehemaligen Festsaaltrakts zerstört. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde auch ein Großteil der Gewerbeflächen in den Hackeschen Höfen von der DEFAKA als Lager genutzt.
 
Zu Beginn des Dritten Reiches war ein Viertel der Wohn- und Gewerbemieter der Hackeschen Höfe jüdischer Herkunft. Laut Volkszählung aus dem Jahr 1939 lebten hier noch 179 jüdische Bewohner. Bis 1943 waren alle in Vernichtungslager verschleppt worden. »Es werden so viele Juden abgeholt. Sicherlich haben wir darum die Bombenangriffe.« schrieb Brigitte E., Lehrling bei der Emil-Köster AG in den Hackeschen Höfen am 1. März 1943 in ihr Tagebuch. Lediglich elf von ihnen überlebten den Holocaust und 15 konnten nachweislich emigrieren. Damit hatte die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vielfalt hier, wie in der gesamten Spandauer Vorstadt, ihr vorläufiges Ende erfahren.
 
Die Hackeschen Höfe blieben weitgehend von Kriegszerstörungen verschont. Lediglich ein Bombe schlug in den letzten Kriegstagen im damaligen Imperial-Kino im ersten Hof ein. Nach der Befreiung Berlins durch die Rote Armee wurden die Höfe durch die sowjetische Militäradministration unter Sequestration gestellt, 1949 enteignet und 1951 als Volkseigentum deklariert.